Projekt 2018

 

 

Fotos unseres Projektes in Togo 2018

 

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Bericht Togo 2018

 

Projektziel

 

Das Hauptaugenmerk des Einsatzes in diesem Jahr lag auf der Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Wir haben hierzu Kontakt zu einem Arzt aufgenommen, mit dem wir bereits vor zwei Jahren zusammen gearbeitet haben und mit dem wir regelmäßig in Kontakt stehen. Dieser hat uns an ein Waisenhaus vermittelt, welches dringend Hilfe benötigt und über eine eigene, kleine Krankenstation verfügt. Geplant wurde ein dreitägiger Einsatz und eine Benachrichtigung der umliegenden Bevölkerung des Waisenhauses.

 

Vorbereitungen

 

Im Vorfeld des Einsatzes wurden viele Sachspenden in Form von Verbandsmaterial und Medikamenten, sowie Geldspenden eingereicht.

 

Das Material wurde Mitte Mai als Schiffsfracht nach Togo versendet, damit es rechtzeitig zum Einsatztermin vor Ort ist.

 

Situation vor Ort

 

Am 16. Juli sind wir nach Lomé, der Hauptstadt von Togo, gereist.

 

In Togo angekommen, ergab sich das erste Problem: Das Material war, entgegen der Versprechungen des Spediteurs, noch nicht angekommen. Erst am 24. Juli wurde der Container an den Spediteur in Lomé ausgeliefert. Wir haben daraufhin den restlichen Transport selber organisiert und sind noch am Abend zum Spediteur gefahren, um unser Material in Empfang zu nehmen.

 

Während der Lösung des ersten Problems, ergab sich bereits das zweite: Der Leiter des Waisenhauses, mit dem wir vorab Kontakt hatten, war nicht mehr erreichbar und die besprochenen Vorbereitungen sind auch nicht durchgeführt worden. Somit war der geplante Einsatz im Waisenhaus geplatzt.

 

Nun musste – mit Hilfe von Nanas umfangreichen Netzwerk – schnellstens eine alternative Lösung gefunden werden. Diese ergab sich dann glücklicherweise über ein Gründungsmitglied des Vereins Association Humanitaire des Jeunes Volontaires (AHJV), der seit 2005 Hilfsprojekte in Togo durchführt und bereits vor zwei Jahren eine Materialspende von uns erhalten hat. Der Verein verfügt über eine Niederlassung in der Ortschaft Tsévié, 20 km von Lomé entfernt. Dort werden, mit Unterstützung durch freiwillige Helfer, die hier ein Freiwilliges Soziales Jahr, oder ein Praktikum absolvieren, unterschiedliche Projekte in den umliegenden Dörfern durchgeführt. Hierzu gehören beispielsweise der Bau von Schulen, Getreidemühlen und Toiletten. Da man derzeit – aufgrund fehlender Fachkräfte – keine medizinische Versorgung durchführen kann, waren die Mitarbeiter sehr erfreut, dass wir unsere Hilfe anbieten konnten. Sofort wurde der Kontakt hergestellt und ein Einsatz vom 26. bis zum 30. Juli geplant.

 

Einsatz im Naturschutzgebiet Forêt de Lili

 

Das Naturschutzgebiet Forêt de Lili liegt etwa 25km nord-westlich vom Ort Tsévié entfernt. Die Bewohner in diesem Gebiet leben von der Landwirtschaft, die hauptsächlich aus dem Anbau von Süßkartoffeln, Maniok, Mais und Bohnen, sowie der Haltung von Ziegen besteht. Elektrizität gibt es keine und laut einer Studie von UNICEF haben etwa 60% der Bewohner keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

 

Aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse können selbst kleine Wunden, die sich beispielsweise beim Spielen ergeben, schnell verschlechtern und damit zu einer ernsthaften Bedrohung der Gesundheit werden. Da die Wunden oftmals nur langsam heilen, können sich Bakterien oder Parasiten dort einnisten und verheerenden Schaden anrichten. So tritt beispielsweise das Buruli-Ulkus (https://de.wikipedia.org/wiki/Buruli-Ulkus) hier immer wieder auf.

 

Die Helfer von AHJV haben uns berichtet, dass es im Dorf Kouniko, in dem sie gerade eine neue Schule bauen, sehr viele Kinder mit Wunden gibt. Wir haben uns daher entschlossen, dort mit unserem Einsatz zu beginnen.

 

Situation in Kouniko

 

Die Ortschaften im Naturschutzgebiet Lili Forêt, in denen wir zum Einsatz kamen, liegen selbst für togolesische Verhältnisse sehr abgelegen und sind nur auf teils abenteuerlichen Wegen zu erreichen. Dies gilt auch für das Dorf Kouniko, in dem, inklusive einiger umliegender Ansiedlungen, etwa 400 Bewohner leben. Die Schule des Dorfes wird von 115 Kindern besucht, die teilweise mehrere Kilometer lange Fußmärsche täglich absolvieren müssen.

 

Dörfer wie Kouniko sind zu klein, als dass sich die Regierung um die Errichtung von Einrichtungen zur Basisversorgung kümmern würde. Es fehlt an Straßen, Schulen, Strom- und Wasserversorgung oder sanitären Einrichtungen. In Kouniko konnten durch die Unterstützung der AHJV bereits einige dieser Mängel beseitigt werden. So verfügt das Dorf inzwischen über eine manuell betriebene Wasserpumpe, eine Getreidemühle sowie einer Toilette. Auch eine Schule mit drei Klassenräumen ist inzwischen vorhanden.

 

Die Bewohner von Kouniko leben ausschließlich von der Landwirtschaft. Die Ernte reicht oftmals nicht für die Versorgung der eigenen Familie aus. Daher trifft man häufig auf unterernährte Kinder. Für Kleidung oder Schulmaterial ist meistens auch kein Geld vorhanden.

 

Die AHJV hat in Kouniko eine Komposttoilette errichtet, die von den Dorfbewohnern gut angenommen wird, da sie Kompost für die Felder erzeugt. Die Schulkinder haben jedoch das Problem, dass die Toilette zu weit von der Schule entfernt liegt, so dass sie nicht genutzt werden kann. Die Kinder müssen deshalb ihr Geschäft im anliegenden Wald oder dem nahe gelegenen Flussrand verrichten. Dies führt unweigerlich zu gesundheitlichen Problemen, die sich in infizierten und nicht heilenden Wunden äußern, sowie in unterschiedlichsten Hauterkrankungen. Auch Durchfall, Erbrechen und sonstige Magen- Darm-Probleme sind häufig anzutreffen.

 

Neben diesen grundsätzlichen Problemen gibt es noch einige Einzelschicksale, von denen wir drei besonders herausheben möchten:

 

  1. Papi, ein Säugling im Alter von 9 Monaten, dessen Eltern verstorben sind und der nun von seiner Großmutter liebevoll versorgt wird. Leider ist sie aufgrund ihrer Armut oftmals nicht in der Lage, das Kind ausreichend zu ernähren.

  2. Nati, ein Junge im Alter von 9 Jahren, ebenfalls Waise, der inzwischen bei seiner Tante lebt. Aufgrund seiner langjährigen Unterernährung wirkt der Junge wie ein 6-Jähriger. Darüber hinaus spricht er nicht, obwohl Tests ergeben haben, dass er dazu in der Lage ist. Da die Ursache hierfür nicht bekannt ist, benötigt Nati dringend eine psychologische Betreuung. Diese ist in Togo nur sehr schwer zu bekommen und kann von der Tante nicht finanziert werden.

  3. Djifa, ein Junge im Alter von 9 Jahren, der sehr gerne Fußball spielt. An seinem linken Fuß hat er eine Fehlstellung des großen Zehs, so dass er keine Schuhe tragen kann. Da sich seine Eltern eine Operation nicht leisten können, wird er niemals in einem Fußballverein spielen können.

 

Unser Einsatz in Kouniko

 

Nachdem wir mit unserem 10-köpfigen Team das Dorf erreicht hatten, musste zunächst das Begrüßungszeremoniell absolviert werden. Hierzu haben wir uns zunächst mit dem Vorsitzenden des Komitees zur Dorf-Entwicklung, Herrn Tékpé Kodjo, zusammengesetzt und unser Vorhaben erläutert. Das Zeremoniell beinhaltet auch ein kurzes Gebet, sowie das Gedenken der Vorfahren. Hier zeigte es sich, wie wichtig die Unterstützung durch die lokalen Helfer ist. Diese sind mit dem Zeremoniell bereits vertraut und genießen das Vertrauen der Dorfbewohner, so dass die Atmosphäre locker und entspannt war. Mit dem Einverständnis des Komitees wurde unser Vorhaben dann noch dem Chef des Dorfes, Togbui Tékpé Komi Amétowomenya Agbatsè IV, vorgetragen, um auch seine Zusage einzuholen. Er zeigte sich ebenfalls sehr erfreut über unsere Hilfe, so dass wir, eineinhalb Stunden nach unserem Eintreffen, mit der Arbeit beginnen konnten.

 

Da es keine geeigneten Räumlichkeiten gab, haben wir unsere Arbeitsstätte auf dem Dorfplatz unter einem Baum eingerichtet. Einige Kinder, die bereits auf uns gewartet haben, schafften schnell ein paar Bänke und Tische herbei, auf denen wir die Behandlungen durchführen konnten. Nach kurzer Vorbereitung unseres Materials konnte es dann auch losgehen.

 

Bereits nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass sich praktisch jedes Kind mehrere Wunden zugezogen hatte. Bei den meisten Wunden war dies nicht sofort ersichtlich, da sie sehr verschmutzt waren, andere waren offensichtlicher, da die Kinder, oder deren Eltern, sie schon selbst notdürftig versorgt hatten. Die Wunden mussten daher zunächst sehr sorgfältig gereinigt werden, wodurch das wahre Ausmaß erst zutage trat. Bei vielen Kindern war dies der Zeitpunkt, an dem die ersten Ängste auftraten, so dass sie oftmals von uns oder den Eltern beruhigt werden mussten.

 

Nach der Reinigung konnten die Wunden genauer inspiziert und die weitere Behandlung festgelegt werden. Glücklicherweise wurde kein Fall von Buruli-Ulkus festgestellt, trotzdem mussten drei Kinder zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Bei vielen Kindern erwiesen sich die Behandlungen als schmerzhaft, was weder für das Kind, noch für die Helfer angenehm war.

 

Da sich die Helfer von AHJV bereit erklärt haben, die Behandlungen nach unserer Abreise fortzuführen, wurden sie von Nana in die richtige Versorgung der unterschiedlichen Wunden eingewiesen. Da einige bereits früher bei medizinischen Versorgungen geholfen haben, konnten sie bereits nach zwei Tagen größtenteils eigenständig arbeiten und mussten nur noch in speziellen Fällen um Rat fragen. Wir sind daher überzeugt, dass die weitere, ordnungsgemäße Versorgung der Wunden gewährleistet ist.

 

Nachdem wir am ersten Tag die Kinder des Dorfes versorgt hatten und die Bewohner der umliegenden Siedlungen informiert worden waren, wurden auch deren Kinder in den nächsten Tagen versorgt. Auch hier zeigte sich das Bild, dass praktisch jedes Kind mehrere Wunden hatte.

 

Am letzten Tag des Einsatzes wurden die bereits behandelten Kinder noch einmal kontrolliert. Zwei unterernährten Säuglingen (3 und 9 Monate alt) haben wir Nahrung gespendet und den Kindern – auf deren Bitte hin – zwei Fußbälle. Auch einige Altkleider, die uns gespendet worden sind, haben glückliche Abnehmer gefunden. Dazu kamen noch Süßigkeiten und Getränke für alle Kinder, womit wir unseren Einsatz in Kouniko abgeschlossen haben.

 

Ergebnis

 

Obwohl das ursprünglich geplante Projekt, die Versorgung der Kinder des Waisenhauses in Blitta, nicht durchgeführt werden konnte und trotz der anfänglichen Probleme, sind wir mit dem Ergebnis des Einsatzes insgesamt sehr zufrieden:

 

  • Wir haben die Wunden von über 80 Kindern versorgt und bei einigen davon schlimmere Probleme verhindern können.

  • Wir haben eine intensive, freundschaftliche Verbindung zur Vereinigung AHJV aufbauen und somit sicherstellen können, dass die weitere Versorgung der Kinder von Kouniko gewährleistet ist.

  • Wir haben Kontakte zu anderen Vereinigungen knüpfen können, die uns gegebenenfalls bei zukünftigen Projekten unterstützen können.

 

Dank

 

Unser Dank geht an unsere Freunde in Osnabrück, die den Einsatz erst ermöglicht haben. Darüber hinaus bedanken wir uns bei Allen, die uns mit Geld- und Materialspenden versorgt haben. Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht natürlich an unsere Freunde von der AHJV, die uns unermüdlich und mit großem Einsatz unterstützt haben.